Schokolade und Kakao
Fair gehandelt, d.h. auf jeden Fall ohne Kinderarbeit und z.Teil mit Bio-Zutaten, gibt es ein großes Angebot hochwertiger Schokoladen, mit einem Kakaogehalt von bis zu 90 %, im Eine-Welt-Laden.
Im Wettlauf mit der Klimakrise
Der Klimawandel verändert die Bedingungen für die Landwirtschaft – auch und gerade im Globalen Süden. Um zu überleben, müssen sich die Bauern der Kakaokooperative COOPROAGRO in der Dominikanischen Republik so schnell wie möglich an die neuen Gegebenheiten anpassen.
Feuchteres Klima sorgt für Pilzbefall an Kakaobäumen
GEPA - The Fair Trade Company / C. Nusc
Vorsichtig spaltet Joan Heredia das dünne Stämmchen des heruntergeschnittenen Kakaosetzlings exakt drei Zentimeter tief und steckt den Spross eines anderen Kakaobaums darauf. „Er stammt von einem Baum, der bewiesen hat, dass er besser mit den Pilzen klarkommt“, meint der Agraringenieur, während er den Stamm mit dem darin steckenden Reis fest umwickelt, so dass die Hölzer aneinandergedrückt miteinander verwachsen können. Kurz schaut er auf das Ergebnis, greift dann hinter sich und nimmt sich den nächsten Setzling vor, um die Operation erneut durchzuführen. „Das Pfropfen ist die beste Art, Pflanzen mit den gewünschten Eigenschaften zu ziehen. Bei der Methode des Bestäubens bleibt viel dem Zufall überlassen, wenn man nicht unter Laborbedingungen arbeitet. Aber wenn wir durch das Pfropfen genetische Klone erstellen, können wir sicher sein, dass diese Setzlinge halten, was wir versprechen“ erklärt er. Und es gibt noch einen wichtigen Vorteil: Es geht schnell. Und Schnelligkeit ist im Wettlauf mit der fortschreitenden Veränderung des Klimas entscheidend.
Pilze bekämpfen – ohne Einsatz von Chemie
Francisco Manuel Oleaga hofft sehr, dass er bald Kakaobäume bekommt, die weniger anfällig für Pilze sind. In den letzten Jahren ist das Klima feuchter geworden; das begünstigt die Ausbreitung von Pilzen. „Wir produzieren ja Bio-Kakao, da können wir nicht einfach Chemie einsetzen , um die Krankheit zu bekämpfen“, sagt er. „Stattdessen müssen wir das Laub rund um die befallenen Bäume wegharken, damit die Feuchtigkeit aus dem Boden aufsteigen und sich der Pilz nicht so leicht verbreiten kann.“ Statt Pestizide zu kaufen und einen Arbeiter zu beschäftigen, muss er vier Männer bezahlen, was unterm Strich deutlich teurer ist.
Modellfarm, bezahlt mit den Geldern des Fairen Handels
COOPROAGRO versorgt seine Mitglieder schon lange mit Setzlingen, das ist Teil des Service, den die Kooperative anbietet. Bislang hat die kleine Baumschule, in der Joan Heredia während des Gesprächs gerade schon den dritten Setzling pfropft, die Anfragen gut bewältigen können. Doch weil jetzt nach und nach alle drei Genossen ihren Baumbestand auswechseln sollen, muss die Kooperative aufrüsten. „Wir müssen nicht nur die vielen Setzlinge produzieren und zur Verfügung stellen, sondern auch weiter experimentieren, welche Sorten sich den veränderten Bedingungen am besten anpassen können “, seufzt Joan Heredia angesichts der Größe dieses Unterfangens.
Wir experimentieren, welche Sorten sich am besten anpassen.
„Deshalb bauen wir gerade eine Modellfarm aus, in der wir mit verschiedenen Sorten Versuche durchführen und dann die Pflanzen im größeren Stil vermehren können.“ Das Geld für die Modellfarm kommt unter anderem aus dem fairen Aufschlag, den die GEPA zusätzlich zu dem erhöhten Mindestpreis und der Bio-Prämie für den Kakao bezahlt. Bislang wurde sie eher in Weiterverarbeitungsanlagen, Lager oder Transportmittel investiert, doch in Zeiten der Klimakrise sei es unabdingbar, sich auf deren Folgen so gut wie irgend möglich vorzubereiten.